Die Engadiner Post zu "Aux Champs Elysées" (2016)

 Ein Mal nach Paris, bitte!

 

Eugenio Mutschler hat diesen Winter sein erstes Buch als Ebook veröffentlicht. In der Stadt der Liebe, Paris, geht es um Liebe und wie diese durch die Vergangenheit und Zukunft beeinflusst werden kann.

 

 Mit 21 Jahren ein Buch veröffentlichen? Für den St. Moritzer Eugenio Mutschlerkeine Frage, sondern eine Tatsache. Schon früh hat Mutschler seine Leidenschaft fürs Schreiben entdeckt – und praktiziert. Ob als Praktikant bei der «Engadiner Post», als Blogger, Geschichtenschreiber oder Journalismus-Student. Auch sein erstes Buch «Aux Champs Elysées» hat seine Wurzeln in der frühen Vergangenheit: «Bereits in der dritten Gymnasialklasse hatte ich die Idee dazu, zur Atmosphäre des bekannten Songs ‹Aux Champs Elysées› ein Buch zu schreiben.»

 

Von der Maturaarbeit zum Ebook

Gesagt, getan: Das Buch war in einem Jahr fertiggeschrieben, die Suche nach einem Verleger allerdings gestaltete sich schwierig. Mutschler macht dafür sein Alter verantwortlich: «Das Publikum von traditionellen Verlagen ist wohl etwas älter und weniger daran interessiert, das Buch eines so jungen Autors zu lesen.» Dafür schrieb er die Geschichte als Maturaarbeit in ein Stummtheater um, und führte dieses im Jahre 2013 im Hotel Laudinella auf. Seitdem sind drei Jahre vergangen, und in dieser Zeit ist der Entschluss gewachsen, das Buch trotzdem zu veröffentlichen. So geschehen im Februar 2016. Nachdem das Werk mehrmals überarbeitet und für gut befunden wurde, fand Mutschler, «dass er es mal versuchen könnte». Das Ebook «Aux Champs Elysées» ist seitdem auf Amazon zu erwerben. «Dort konnte ich mein Buch kostenlos veröffentlichen, zudem ist die Beteiligung am Verkaufserlös höher, als bei einem Verlag», schildert Mutschler seine Beweggründe, weshalb er sich für diesen Veröffentlichungsweg entschieden hat.

 

Stimmungsvoll und präzise

Das Buch ist eine Liebesgeschichte, erzählt von der Hauptperson Erik Baumann. Zunächst werden dessen erste 20 Lebensjahre im Schnelldurchlauf anhand eines Prologs und in indirekter Rede erzählt: Direkt nach der Geburt von den Eltern verlassen, wird er von einem pensionierten Pärchen aufgezogen. Diese sterben früh, Erik Baumann muss wegen Geldmangels das

Gymnasium verlassen. Was dann passiert, liegt im Dunkeln, angedeutet wird aber, dass sich die Hauptfigur in einem kriminellen Milieu herumtreibt. Erst einige Jahre später taucht er wieder auf der Bildfläche auf, studiert Biologie an der ETH und beschliesst in den Semesterferien nach Paris zu reisen, um dort Geld zu verdienen. Dann wird die Geschichte in der Ich-Form weitererzählt. Der nun 40-jährige und erfolgreiche Autor Baumann verfilmt sein Buch «Aux Champs Elysées», und erzählt am Rande einer Pressekonferenz einem Journalisten die unglückliche Liebesgeschichte seiner Jugend, welche die Grundlage für das Buch geliefert hat. Danach trennen sich ihre Wege, und Erik Baumann wird auf überraschende Weise erneut mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Wie das Buch endet, bleibt an dieser Stelle offen. «Es gab aber durchaus emotionale Reaktionen auf das Ende», verrät der Autor. Das Buch ist geprägt von stimmungsvollen und extrem lebendigen

Beschreibungen des Pariser Lebens, von Personen, Gefühlen und Gerüchen. Mutschler geht es in seinem Buch darum, den spannenden Konflikt zwischen der Vergangenheit und der Zukunft darzustellen: «Viele Menschen können das Vergangene nicht loslassen und verbauen sich die Zukunft damit, weil sie nicht das tun, was sie eigentlich wollen.»

 

Mit Aussicht auf mehr?

Auffallend sind auch gewisse Parallelen zwischen Autor und Hauptcharakter: Die Lust am Schreiben, der identische Titel des geschriebenen Buches, das Dasein als Student. «Hemingway hat einmal gesagt, es ist Schwachsinn, nicht von sich selbst zu sprechen, wenn man in der Ich-Form schreibt. Vielleicht bringe ich meine eigenen Erfahrungen mit oder die ersten Versuche mit der Frauenwelt etwas ein», schmunzelt Mutschler. Das Buch verkauft sich auf Amazon erfreulich gut. Auf verschiedenen Online- Rankings wie auf lovelybooks.de erreichte das Erstlingswerk Mutschlers den zweiten Platz. Auch auf einem Youtube- Bücher-Kanal wurde es bereits vorgestellt. Gerade solche Rezensionen auf Online-Portalen spielen eine wichtige Rolle, damit das Buch in Umlauf bleibt – zumal es auch nur online erhältlich ist. Deshalb appelliert Mutschler auch an Leser, das Buch zu bewer ten und es nach Beendigung der Lektüre nicht einfach zur Seite zu legen. Der Start ist also geglückt, werden in Zukunft weitere Werke von Mutschler folgen, beispielsweise eine Fortsetzung des aktuellen Buches? «Nein, die Geschichte ist in sich abgeschlossen. Dafür habe ich ein paar interessante Ideen im Kopf. Ich möchte, dass das Bücherschreiben auf jeden Fall ein Hobby bleibt.»

 

 

Text: Carla Sabato. Buchvorstellung in der "Engadiner Post",  10. Mai 2016

Auftritt und Vorstellung bei Booktuberin "Booklove Toni" (2016)

Die Engadiner Post zu "Stummtheater: Aux Champs Elysées" (2013)

Ein Theaterstück ohne gesprochene Worte

 

Nächsten Donnerstag, 11. April, wird das Theaterstück «Aux Champs Elysées» im Hotel Laudinella aufgeführt. Ein Stummtheater vom jungen St. Moritzer Eugenio Mutschler, das viel zu sagen hat. Die «EP/PL» schaute bei einer Probe vorbei. 

 

Ruhig ist es in der Aula der Academia Engiadina. Drei Schauspieler stehen auf der Bühne. Janina (Stefania Crameri) und zwei Männer, einer davon ist Erik (Valentino Mutschler), der Hauptdarsteller. Die Frau steht beim anderen (Eugenio Mutschler). Erik ist ausser sich, kann nicht glauben, was er sieht, und es kommt zum Streit zwischen den dreien. Es wird gezogen, gestossen und wild gestikuliert. Trotz der heftigen Auseinandersetzung ist kein Ton zu hören. Die Mimik und Gestik der Schauspieler sagt genug, um die Szenen zu verstehen. Janina, die der Grund der Auseinandersetzung ist, entscheidet sich gegen Erik und geht mit dem Auserwählten weg. Der Vorhang fällt.

 

Es begann in der Stadt der Liebe 

Die Szene wechselt in die Gegenwart von Erik. Eine Medienkonferenz findet statt. Reporter und Fotografen warten auf den Autor. Der Erzähler (Eugenio Mutschler) lässt den Zuschauer erfahren, dass Erik durch das Schreiben eines Liebesromans berühmt und reich geworden ist. Zum Lied «Egoist» von Falco tritt Erik auf die Bühne, er wirkt eingebildet, arrogant. Er macht es sich auf dem Stuhl bequem, schwingt die Füsse auf den Tisch und langweilt sich an der Meute Journalisten. Der Erzähler kommentiert das Geschehen. Die Frage nach der Idee für den Roman und Eriks Antwort, es sei keine Idee, aber echt, findet bei den Journalisten Unverständlichkeit und lässt die Stimmung kippen. Wütend vertreibt Erik die Journalisten, nur Jean-Jacques (Luzian Hug) getraut sich zu bleiben und nähert sich Erik. Dieser beruhigt sich und taucht mit Jean-Jacques und den Zuschauern in seine Vergangenheit und somit in den Inhalt des Romans ein. Der Erzähler führt in die nächste Szene, die vor Jahren in Paris stattgefunden hat. Im Café Des Beaux Arts kellnert Erik. Zusammen mit Pierre (Ferdinand Filli) und Nicolas 

(Nina Walther) arbeitet er für die Chefin Christine (Sabrina Treichler). Die drei arbeiten hart und eine Freundschaft entsteht. Eines Tages kommt Madeleine ins Des Beaux Arts und für Erik verändert sich die Welt. Die zwei verlieben sich. Gemeinsam mit den Freunden Pierre und Nick feiern sie. Pierre, der zu viel trinkt, macht sich an Madeleine ran, sie wehrt sich und es kommt zum Streit zwischen den Freunden und deren Verbindung wird auf die Probe gestellt. «Ein froher Tag hatte es werden sollen, jener ihres ersten gemeinsamen Treffens. Und so zu werden er anfangs auch schien. Doch er wurde fürchterlich, zum Vergessen. Ob er auf das kommende Unglück schon hinwies?», sagt die Erzählerstimme in einem «Stumm-Theater-Deutsch». Eine Trennung steht den Verliebten bevor. Madeleine verlässt Erik, um ihren Eltern von der grossen Liebe zu erzählen und mit deren Segen zurück nach Paris zu kommen. In der Abwesenheit von Madeleine begegnet Erik einer verflossenen Liebe und vieles ändert sich. 

 

Die Worte in der Bewegung 

Eugenio Mutschler geht ins Gymnasium der Academia Engiadina und schrieb dieses Stummtheater als Maturaarbeit. Doch das Schreiben war erst der Anfang. Nun folgt die Inszenierung des Stücks mit 18 Mitschülern auf der Bühne. Sie proben in ihrer Freizeit und haben Spass an der Schauspielerei. Ganz einfach ist die Sache aber nicht: «Sie müssen den Text im Kopf haben und die passenden Bewegungen dazu machen», sagt Eugenio Mutschler. Die Bewegungen sind intensiv, manchmal unnatürlich, da sie all das sagen müssen, was sonst der Mund sagt. Ein weiteres wichtiges Instrument im Stück «Aux Champs Elysées» ist die Musik, welche die Stimmung sowie die Emotionen und Gefühle der Protagonisten unterstreicht. 

Das Stummtheater «Aux Champs Elysées» wird am Donnerstag, 11. April, um 20.30 Uhr, im Hotel Laudinella in St. Moritz aufgeführt. 

 

 

Text und Foto: Sarah ZanottaArtikel zum Theater in der „Engadiner Post“, 6. April 2013 

Bilder aus "Stummtheater: Aux Champs Elysées" (2013)